Alles im Fluss: Therapeutische Potenziale der Wassertherapie in der Orthopädie
Durch die Kombination von hydrostatischen und thermischen Eigenschaften des Wassers werden bei der Hydrotherapie die physiologischen Reaktionen des Körpers genutzt, um gezielte therapeutische Effekte zu erreichen. Zahlreiche Studien1,2,3,4 belegen die medizinische Bedeutung der Wassertherapie. Die Anwendung geht von Bädern, bis hin zu gezielten gymnastischen Übungen im Wasser zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
In der Lahntalklinik und der Aggertalklinik, den beiden orthopädischen Rehabilitationskliniken des Klinikverbundes der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, sind Wasserbehandlungen in der medizinischen Rehabilitation bei Erkrankungen des Bewegungsapparates seit vielen Jahren als fester Bestandteil des Therapiespektrums etabliert.
Die günstigen Effekte des Wassers sind der Auftrieb, der Wasserdruck und die Wassertemperatur. Der Auftrieb reduziert das Körpergewicht erheblich, so dass Gelenke unter verminderter Belastung leichter bewegt werden können. Dies ist besonders vorteilhaft bei Arthrose (Gelenkverschleiß) und nach Operationen im Bereich der unteren Extremitäten. Der Wasserdruck und die Wassertemperatur (30 Grad) fördern die Durchblutung, reduzieren Muskelverspannungen und vermindern die Ödem(Schwell)neigung.
Neues Schwimmbad in der Lahntalklinik wird im August 2024 eingeweiht.
In der Lahntalklinik wird im August 2024 ein neues, modernes Edelstahlschwimmbecken in Betrieb genommen, das speziell für Rehabilitierende mit Erkrankungen des Bewegungsapparates konzipiert wurde. „Das neue Schwimmbad ermöglicht uns, unseren Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ein umfassendes Programm an Wasserbehandlungen anzubieten und effektiv Beschwerden des Bewegungsapparates zu lindern“, freut sich Dr. Marc Schöttler, Ärztlicher Direktor der Lahntalklinik.
Auch Rehabilitierende mit eingeschränkter Mobilität können durch die barrierefreien Zugänge, also den ebenerdigen Eingang ohne Stufe oder Schwelle, das neue Schwimmbad erreichen.
„In der täglichen Therapie nutzen wir das Schwimmbad vor allem für Wassergymnastik bei Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenkerkrankungen, aber auch nach abgeschlossener Wundheilung bei Rehabilitierenden nach Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen“ berichtet Andreas Frey aus seinem Arbeitsalltag. „Die Effekte sind eine schonende Kräftigung der Muskulatur und eine Verbesserung der Beweglichkeit unter Entlastung der Gelenke“, wie Herr Frey weiter ausführt.
Darüber hinaus wird das Schwimmbad auch für Aqua-Jogging zur Stärkung der kardiovaskulären Fitness bei Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in der klassischen medizinischen Rehabilitation genutzt.
Natürlich ist das Schwimmbad auch außerhalb der Therapiezeiten für unsere Rehabilitandinnen und Rehabilitanden frei nutzbar. So kommt die Entspannung in der Freizeit und nach einem Therapietag auch nicht zur kurz, was zur allgemeinen Stressreduktion beiträgt und einen großen Teil des Therapieerfolges ausmacht.
- Gill SD, McBurney H, Schultz AB et al. “Aquatic exercise for rehabilitation after total hip and knee replacement: a systematic review of the literature.” Journal of Rehabilitation Research and Development, 2009.
- Antonio Roberto Zamuner et al. “Effects of a hydrotherapy programme on symbolic and complexity dynamics of heart rate variability and aerobic capacity in fibromyalgia patients” Clin Exp Rheumatol. 2015 Jan-Feb; 33(1 Suppl 88):S73-81.
- Ortiz M, Koch AK, Cramer H, et al. „Clinical effects of Kneipp hydrotherapy: a systematic review of randomised controlled trials. BMJ Open 2023;13:e070951
- Hinman RS, Heywood SE, Day AR. “Aquatic physical therapy for hip and knee osteoarthritis: results of a single-blind randomized controlled trial.“ Phys Ther. 2007 Jan;87(1):32-43.